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fondsweb.de - Wie sich ETFs mit verschiedenen Strategien bislang schlagen 22.06.20 Meldung

(boerse-online) - ETFs, die speziellen Anlagestrategien folgen, haben sich 2020 unterschiedlich gut geschlagen. Welcher Stil erfolgreich war, wo die Aussichten gut sind. Von Christoph Platt, Euro am Sonntag

Erst einer der heftigsten Crashs der Börsengeschichte, dann eine kometenhafte Kurserholung - auch aus Anlegersicht ist 2020 ein Jahr der Extreme. Nicht alle Investmentstrategien sind mit diesem Umfeld gleich gut zurechtgekommen.

Euro am Sonntag hat einen Blick auf verschiedene Konzepte geworfen, die in der ETF-Branche als Faktor-Investments bekannt sind. Darunter sind Ansätze zu verstehen, die einen speziellen Stil verfolgen. Aus einem bekannten Aktienindex werden Titel nach bestimmten Kriterien ausgewählt. Auf diese Weise soll die Rendite gesteigert oder die Volatilität gesenkt werden.

Eine Handvoll Strategien hat sich inzwischen etabliert. "Die akademische Forschung zeigt, dass in Bezug auf Aktien fünf Stil-Faktoren im Vergleich zum breiten Markt langfristige Mehrrenditen erzielen können", sagt Hamed Mustafa, ETF-Experte bei Blackrock. Dazu zählen der Fokus auf kleine Unternehmen (Size), auf Aktien mit niedrigen Schwankungen (Minimum Volatility), auf gesunde Firmen (Quality), auf unterbewertete Aktien (Value) und auf Titel in einem Aufwärtstrend (Momentum).

Die Redaktion hat die Entwicklung der Faktoren während des Einbruchs vom 19. Februar bis 23. März und während der anschließenden Erholung untersucht. Grundlage sind - auf Eurobasis - die entsprechenden Subindizes des MSCI World, der die wichtigsten Aktien der Industrieländer weltweit enthält.

Am besten durch den Crash sind Anleger mit dem MSCI World Minimum Volatility gekommen. Der Index, der die Entwicklung schwankungsarmer Titel wiedergibt, verlor während des Kurssturzes "nur" 29 Prozent an Wert. Damit ist die Strategie den Erwartungen gerecht geworden: Minimum-Volatility-Aktien geben in unruhigen Zeiten für gewöhnlich weniger stark nach als der Marktdurchschnitt.

In der Erholung war die Strategie nicht ganz so stark: Der MSCI-Subindex hat seit dem 24. März knapp 20 Prozent zugelegt. Dennoch bleibt sie aussichtsreich, besonders für vorsichtigere Anleger. "Unsere Indikatoren deuten auf ein abnehmendes Wirtschaftswachstum hin, ausgehend von einer bereits geringen Basis", sagt Mustafa. "In einem solchen Umfeld können sich Minimum-Volatility-Aktien erfahrungsgemäß besonders gut entwickeln."

Die Baisse relativ gut überstanden hat auch die Momentum-Strategie. Der MSCI World Momentum gab um 31 Prozent nach. "Das Verhalten der Faktoren im Börsencrash war quasi eine Fortsetzung der existierenden Trends vor der Krise", sagt Eric Wiegand vom ETF-Anbieter Xtrackers. Bereits vor der Pandemie hatte es sich ausgezahlt, auf Aktien zu setzen, die in den Monaten zuvor besonders gut gelaufen waren.

Seit dem 24. März konnte die Strategie aber nicht glänzen und gewann nur 19 Prozent hinzu. In seinem jüngsten Marktkommentar zu Stil-Faktoren rät das ETF-Haus iShares, den Momentum-Faktor deutlich unterzugewichten. Das liegt zum einen an den schwächeren Konjunkturaussichten: Die Strategie entwickelt sich im Regelfall am besten bei starkem Wirtschaftswachstum. Zum anderen sind die entsprechenden Aktien zurzeit relativ teuer.

Eine passable Leistung während der Börsenturbulenzen zeigte das Quality-Konzept. Für den MSCI World Quality ging es um 32 Prozent nach unten. Der Fokus auf Unternehmen mit geringer Verschuldung und stabilem Gewinnwachstum bremste den Absturz etwas.

Die folgende Rally verlief für Fans dieser Strategie erfreulich. Um 24 Prozent stieg der Faktor-Index an. Ein Ende dieser Outperformance ist unwahrscheinlich. Qualitätsaktien haben sich zwar verteuert, doch das Konjunkturumfeld spricht weiterhin für diesen eher defensiven Stil. Und steigen die Kurse weiter, sind Quality-Investoren anders als früher nicht zwangsläufig mit angezogener Handbremse unterwegs. "Die Partizipation des Quality-Faktors an steigenden Kursen ist in den letzten fünf Jahren im Vergleich zu historischen Levels deutlich gestiegen", sagt Xtrackers-Experte Wiegand. "Quality kann in einem weiteren Erholungsszenario eine interessante und konservative Herangehensweise für Investoren sein."

Anleger, die sich auf Nebenwerte fokussieren, erlebten während der Corona-Krise ein Wechselbad der Gefühle. Der Faktor Size gab in den Wochen des Crashs um 37 Prozent nach - keine andere Strategie war schwächer. In der Erholungsphase sprang der MSCI World Size dann am stärksten nach oben und gewann seit dem Jahrestief 28 Prozent. Damit spiegelt er das typische Verhalten von Small und Mid Caps wider, deren Kurse meist heftiger ausschlagen als der breite Markt. In einem Wirtschaftsaufschwung sind klein kapitalisierte Unternehmen oft besonders lukrativ, doch weil die Aussichten zurzeit ungewiss sind, ist ein Engagement in Nebenwerten mit Vorsicht zu genießen.

Erneut leiden mussten Anhänger des Value-Stils. Die Strategie, auf unterbewertete Aktien zu setzen, verlor während des Crashs nicht nur überdurchschnittlich hohe 35 Prozent, sondern erholte sich anschließend auch noch schwach (19 Prozent). Die vergangenen zwei Wochen liefen jedoch gut für besonders preiswerte Titel, die in dieser Zeit stärker gestiegen sind als der breite Markt. "Der Value-Faktor weckt im Moment das Interesse unserer Investoren", berichtet Wiegand. "Nach einer langen Zeit der Underperformance, vor allem auch während der Krise, scheinen Value-Aktien an Performance zu gewinnen." Das Aufholpotenzial ist riesig, insbesondere, wenn sich die Konjunktur schneller erholt als erwartet.

INVESTOR-INFO

Anlagestrategien - Absturz und Aufschwung

Die fünf etablierten Stil-Faktoren, die in der ETF-Branche genutzt werden, haben sich während des Crashs im Februar/März und während der Erholung seit dem 24. März unterschiedlich entwickelt. Aktien mit niedriger Volatilität stürzten am wenigsten ab, in der Rally waren Aktien kleiner Unternehmen am stärksten. Zum Vergleich die langfristige Performance: Hier liegt die Momentum-Strategie (Titel im Aufwärtstrend) klar vorn.

Empfehlenswerte ETFs - Konservativ und mutig

Im aktuell schwachen Konjunkturumfeld sind Aktien solider Konzerne gefragt. Das dürfte mittelfristig so bleiben. Mit dem iShares Edge MSCI World Quality Factor ETF investieren Anleger global in Unternehmen mit geringer Verschuldung, stabilem Gewinnwachstum und einer hohen Rentabilität des Eigenkapitals (ISIN: IE00BP3QZ601). Risikobereite Anleger setzen dagegen auf das Aufholpotenzial stark unterbewerteter Aktien. Der Xtrackers MSCI World Value ETF kauft weltweit Titel mit niedrigem Kurs-Gewinn- und Kurs-Buchwert-Verhältnis (IE00BL25JM42).



Quelle:
fondsweb.de